St. Veit – Die Analyse

Was man sonst nur aus der Formel 1 kennt, lässt sich mit ein wenig Affinität zur Zahlenanalyse und dem geeigneten Equipment auch beim MTB-Marathon umsetzen, insbesondere wenn es einer über zwei Runden ist: Eine möglichst analytische Graphik, in der die wesentlichen Leistungsparameter über die komplette Distanz ersichtlich sind.

Aber zunächst zum Rennen selbst: Bei nahezu idealen Bedingungen – es ist trocken, die Temperaturen angenehm, nur der Wind weht merkbar aus der falschen Richtung – nehme ich die „Classic“ über zwei Runden (je 31km/1000hm) in Angriff.

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Ich starte weit hinten im Feld, schließlich will ich meine Körner nicht schon in der ersten Runde verschießen. Das hat zur Folge, auf den ersten drei Anstiegen im dichten Feld den eigenen Rhythmus nicht finden zu können, aber auch nicht zu überdrehen. Ab dann folgt eine flache Auffahrt, die anfänglich einfach über Asphalt führt. Das gibt mir ein wenig Luft, um ins Rennen zu finden. Wie geplant esse ich einen Riegel pro Stunde, an der Labe schieße ich mir ein Gel hinein, weil die erste dreiviertel Stunde immer die Hölle und somit besonders kraftraubend ist. Auf dem nach der Labe folgenden Kamm halte ich mich in einer Gruppe, die mein Tempo vielleicht ein wenig zügelt, aber es liegen ja auch noch 40km vor mir.

Im Flow geht´s auch mit geschlossenen Augen

Im Flow geht´s auch mit geschlossenen Augen

Nun setzt der Flow ein und über den Rest des Rennens läuft alles eigentlich gleichmäßig dahin. Einzig nach der Durchfahrt Start/Ziel ein Überraschungsmoment: Ich erwarte mir eine Labe, in deren Absenz ist mir dankenswerter Weise die Freiwillige Feuerwehr beim Füllen meiner Trinkflasche behilflich. Hundert Meter weiter erreiche ich dann doch eine Labe, die ich nun zwar nicht mehr brauche, mir jedoch immerhin die Sicherheit gibt, auf der richtigen Strecke zu sein: Während man in Runde eins im Pulk der „Small“-Fahrer unterwegs ist, wird es mit Beginn der Runde zwei plötzlich sehr einsam und so fragt man sich, ob man nach Start/Ziel die richtige Abzweigung genommen hat.

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Ganz so einsam ist es glücklicher Weise in der zweiten Hälfte dann doch nicht, es gelingt mir sogar noch, den einen oder anderen Platz gut zu machen. Etwa einen Kilometer vor dem Ziel kostet mich der Übermut nahezu noch einen Abflug bei einem unterschätzen Sprung, es geht aber gerade noch gut. Und schließlich erreiche ich mein mir gesetztes Ziel, die Strecke unter 4 Stunden in 3:58:34 zu bewältigen.

Aber jetzt endlich zum eingangs angekündigten Highlight – der Rennanalyse:

Renndiagramm StVeit2014

Linke Skala: Streckenprofil (HM), Minuten (Rückstand, Pace), km/h (Pace)
Rechte Skala: Herzfrequenz (Puls)

Sieht man genau hin, lässt sich erkennen, dass der Puls in der ersten Hälfte von Runde eins (Puls1) doch deutlich höher ist, was schlicht und einfach dem Rennfieber geschuldet ist. Der Rückstand in Runde 2 gegenüber der ersten Runde nimmt zwar kontinuierlich zu, hält sich aber erstens in Grenzen und wird zweitens wie geplant im Endspurt wieder geringer. Der zweite Turn geht mir irgendwie sogar fast lockerer von der Hand – oder besser gesagt vom Bein. Das mag daran liegen, dass ich alleine besser mein Tempo finde aber doch immer wieder Fahrer vor mir auftauchen, zu denen es aufzuschließen gilt.

Einziger Wermutstropfen: Bei der Jausenstation bei KM24, wo mir just auf dem steilsten Stück des Berges immer der Geruch von backfrischem Schnitzel entgegen schlug, ist die Küche leider schon kalt, als wir des Nachmittags eintreffen…