Rennwochenende BMX Vösendorf

Nicht die kleinste Wolke trübt den hochsommerlichen Himmel des Pfingstwochenendes und so kann die Sonne ungehindert die Luft über den Feldern südlich von Wien aufheitzen. Bei Temperaturen jenseits der dreißig Grad schlüpfen die Fahrer in dicke Schutzhosen, legen Protektorwesten an und ziehen die Full-Face Helme über das Kinn um sich im freien Training an die Doubles, Trippels, Step-ups und Downs oder Tables der Vösendorfer BMX-Bahn heranzutasten.IMG_3441w
Etwa achtzig Rider aus Österreich und dem benachbarten Ausland haben sich auf dem Areal eingerichtet. An zwei Tagen werden die ersten beiden Läufe der Niederösterreichischen Landesmeisterschaften sowie der 5. und 6. Lauf des Alpe – Adria – Cups ausgetragen.
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Für Theo sind es die ersten Rennen überhaupt, das erste Rennwochenende für die ganze Familie. So haben wir auch nur das Notwendigste dabei, ganz zum Gegenteil von den weitaus erfahrerenen Teilnehmern, die auf dem Gelände das Fahrerlager aufgebaut haben.
In drei Vorläufen haben sich die Athleten für A- oder B- Finale zu qualifizieren, je nach Starter in der jeweiligen Klasse kann es auch noch Semifinalläufe geben. Die jüngsten sind gerade einmal fünf Jahre alt, das andere Ende des Teilnehmerfeldes liegt bei 40+.
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Bis zu acht Fahrer pressen ihre Vorderräder gegen das Gate der automatischen Startmaschine und katapultieren sich bei grün der Startampel die Rampe hinunter. Danach gilt es über die Hügeln zu pushen, surfen oder springen und in den meterhohen Steilkurven ordentlich Tempo zu machen.
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Doch zunächst reihen sich alle am Vorstart ein und warten auf das Zeichen des Starthelfers, worauf sie die Rennmaschinen auf den Starthügel schaffen.
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Auf den in den Vorläufen zugeteilten Bahnen wird konzentriert auf das Kommando des Starters gewartet.
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„Watch the Gate!“ knarrt es aus den Lautsprechern der Startanlage, nach kurzer zufälliger Verzögerung fällt die Klappe und die Fahrer kämpfen im Sprint um die beste Position.
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Pushen – also das hintere Laufrad kurz nach dem Scheitelpunkt eines Hügels hinunter drücken – um auf der Gerade Speed aufzunehmen.
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Damit erreichen gute Rennfahrer atemberaubende Geschwindigkeiten.
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Die hohen Step-ups werden dann nicht mehr durchgedrückt sondern übersprungen, für die leider viel zu wenigen Zuseher bieten BMX-Rennen ein richtiges Spektakel.
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Trotzdem ist die Stimmung am ersten Renntag gut – lauthals feuern enthusiastische Eltern ihren Nachwuchs an, wobei die Begeisterung für den BMX-Rennsport in den ehemaligen Kronländern fast noch höher als bei uns ist.
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Die Zeit zwischen den Läufen wird genutzt, um mit den Vereinskollegen die Linienwahl und Renntaktik zu besprechen.
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Der erste Renntag dauert bis etwa 21:00 Uhr: 26 Läufe – das sind mit Vorläufen und Semifinalläufen über hundert einzelne Durchgänge. Ohne die Hilfe der zahlreichen freiwilligen Helfer wäre das wohl nicht zu organisieren. Getragen wird das vom Verein ARBÖ BMX-Radsport Vösendorf, der eine prächtige Bahn erhält, die im heurigen Winter gewaltig ausgebaut wurde.IMG_3553w

Theo wird in seiner Klasse – Amateure 9/10 – souverän zweiter, ein Vereinskollege ist trotz aller Bemühungen nicht zu knacken. Nichts desto weniger Stolz ist er auf seine erste Trophäe.IMG_3567w

Am zweiten Renntag zeigt der BMX-Sport seine volle Härte: Schlüsselbeinbruch, verstauchte Sprunggelenke und eine – wie sich im Nachhinein glücklicher Weise herausstellte – „nur“ eine schwere Gehirnerschütterung, bei einem Sturz, der weitaus Schlimmeres vermuten ließ.

Trotzdem ist auch der zweite Renntag ein gelungenes Event. Theo bewahrt trotz einer Reifenpanne kurz vor dem Start zum ersten Vorlauf Nerven und wiederholt konstant seine Leistung vom Vortag. In der Wartezeit bis zur Siegerehrung am Nachmittag schauen wir uns die restlichen Läufe an und stärken uns mit Pizza im Schatten unter den Bäumen – diesmal schon mit Picknick Decke besser ausgerüstet.

BMX-Sport ist spannend, spektakulär – keine (!) Männersache, da gibt es Mädels, die den Boys das Hinterrad zeigen – und auch für Zuseher ein sportlich-unterhaltsames Event.  Leider gibt es gerade in Österreich nur wenige Vereine, die mit viel Idealismus diese auch olympische Sportart am Leben erhalten. Dabei wären solche Veranstaltungen sogar dazu geeignet, im Stadion ausgetragen werden zu können.

Willi Sedlak, Obmann BMX Vösendorf

Willi Sedlak, Obmann ARB BMX-Radsport Vösendorf