Salzkammergut Trophy 2014 – Mission Completed!

Bad Ischl, 12. Juli 2014, 7:30 Uhr: Ich stehe gemeinsam mit einem anderen Teilnehmer der Trophy am Parkplatz und wir starren nachdenklich auf den wolkenverhangenen Himmel, auf dem sich vereinzelt kleine, blaue Lücken andeuten. Unser Gespräch dreht sich um die passende Bekleidung für das, was heute vor uns liegt: In meinem Fall sind das 119,5km, garniert mit 3.848hm durch das Salzkammergut.sportograf-51727720_lowresDie Temperaturen würden für Kurz-Kurz sprechen, der Wetterbericht für die Regenjacke. Ich entscheide mich für den Kompromiss, also Kurz-Kurz mit Ärmlingen, und mache mich bereit, um planmäßig um 8:00 Uhr zum Einrollen Richtung Start in Bad Goisern aufzubrechen. Rechtzeitig, um noch im ersten Startblock einen Platz zu finden.

Während ich am Zimmer die letzten Vorbereitungen treffe dringt plötzlich ein seltsames Geräusch durch die Glasfront – ist das etwa Regen?sportograf-51740841_lowresNein, kein Regen sondern ein Wolkenbruch, eine Stunde und zehn Minuten vor dem Start, also genau das, was man jetzt braucht – alles umplanen, andere Ausrüstung, nichts mit Einrollen – nein, sogar noch das Bike zuerlegen um es ins Auto zu schlichten und dann 20 Minuten vor dem Start wieder zusammen zu bauen – ein falschen Handgriff, und der Stress beginnt 100 Meter nach der Startlinie von neuem.

Dank der Ruhe meiner Frau, die mich nun samt den Kids nach Goisern chauffiert, stehe ich 40 Minuten später im zweiten Block und kann mich mit den Mitstreitern darüber unterhalten, ob die Regenjacke da bleibt – es hat inzwischen wieder aufgehört zu regenen – oder nicht. Ich erinnere mich an den Wintereinbruch bei der Trophy 2009 und stopfe die Jacke noch irgendwie in das von Riegeln, Gels und Reifen-Notfallset ohnehin schon volle Trikot.image(5)_v1Peng und Los – endlich! Es ist fast schon entspannend, wenn der Startschuß für das Rennen, auf das man ein paar Monate hin trainiert hat, endlich fällt. Nun heißt es, all das, was für die nächsten 8 Stunden eingeteilt wurde, auch in die Tat umzusetzen: Tempo finden, regelmäßig essen und trinken, nicht überdrehen, nicht unnötig riskieren, …

Am ersten Berg gibt es den erwarteten Stau – genau darum wollte ich im ersten Block starten, um das Gedränge zu vermeiden. Nach den ersten paar Kilometern schmerzt der Rücken – das kann ja auf den nächsten 115km noch lustig werden. Jetzt heißt es Nerven bewahren und sich durch nicht aus der Ruhe bringen lassen.sportograf-51755801_lowresIm inzwischen wieder kurz nach dem Start eingesetzten Schnürlregen erklimme ich Raschberg und Hütteneck, wo ich mich in Anbetracht der ersten längeren Abfahrt für die Regenjacke entscheide. Auf der glitschigen Abfahrt spielen die erst kürzlich montierten Tubeless-Reifen ihre Vorteile aus. Dafür muss in Lauffen am Hinterrad Luft nachfefüllt werden, aber immerhin noch besser, als den Schlauch zu wechseln – wenn es auf den nächsten 90km auch dicht hält.sportograf-51713145_lowresIn Lauffen selbst verzichte ich auf coole Schnappschüsse und trage das Bike gemütlich über die Stiegen, wohl wissend, dass ich 5 Meter später ohnehin wieder im Stau stehe, bei den nächsten Stiegen.sportograf-51719260_lowresTrotzdem liege ich zeitmäßig noch ganz gut in der von mir erstellten Marschtabelle. Nun gilt es auf den nächsten flachen 20km zügig voran zu kommen und sich auf den härtesten Abschnitt vorzubereiten: Den Salzberg, hier beginnt dann das Rennen von neuem. Ich kann an eine Gruppe anschließen und so im Windschatten energiesparend Richtung Obertraun und Hallstatt kommen. Auch der Reifen hinten hält die Luft noch dort, wo sie hingehört.

Jetzt noch ein Gel reindrücken, bevor es die 12 Serpentinen bis zur Bergstation der Standseilbahn hinauf geht – 15% Steigung, danach wird es unfahrbar – 20% und mehr geht es neben dem Bergwerkseingang direkt den Berg hinauf. Es zeigt sich erstmals, dass das Rennen gut eingeteilt war: Hinauf zur Bergstation steigt ein Fahrer nach dem anderen ab, doch mein Plan, den unteren Teil zu fahren, aufgeht.sportograf-51726065_lowresWährend die Kolonne am oberen Salzberg ihre Bikes hinauf schiebt, plagt sich von hinten plötzlich eine Gruppe der Fahrer der A-Strecke im Wiegetritt an uns vorbei die brutale Steigung hinauf – nach bereits 150km und 5000hm in den Beinen – Chapeau!

Die Schlüsselstelle Salzberg ist überwunden, nach kurzer Abfahrt gebe ich bei der nächsten Labe die Regenjacke ab und mache mich hinauf zur Roßalm, dem letzten langen Anstieg.  Und wieder kann ich Platz für Platz gut machen. Auf den letzten 50 Höhenmetern überhole ich den letzten Fahrer einer Gruppe und habe auf der Abfahrt zum Gosausee freie Fahrt. Der Himmel hat nun ein wenig aufgeklart und offenbart den imposanten Anblick der Gosaukämme, die nasse Forststraße ist extrem griffig und so geht es mit bis zu 70km talwärts.sportograf-51747094_lowresDie nächste Labe bei KM 87 erreiche ich nach 6 Stunden Fahrzeit – will ich unter 8 Stunden bleiben, heißt es nun die letzten Reserven zu mobilisieren, immerhin gibt es noch einen Anstieg mit 400hm und ein paar kurze Schupfer bis zum Ziel. Auch auf dem letzten Berg  kann ich mein Tempo gut halten und an einigen inzwischen eingegangen Fahrern vorbeikommen.

Nun geht es im wesentlichen nur mehr abwärts. Ich drücke das letzte Gel und finde in einem jungen Tschechen einen guten Partner, mit dem ich über die letzten Straßenkilometer nach Bad Goisern ins Ziel schieße. Dort Blicke ich auf den Radcomputer und kann es kaum glauben: Mit 7:39:13 unterbiete ich mein Ziel deutlich – Mission completed!Foto(1)cut

Alle Infos zum Rennen: www.salzkammergut-trophy.at

Fotos: Sportograph, Privat