Kreta – Mountainbiken statt Baden

Nachdem ich bereits im letzten Griechenland-Urlaub erkannt habe, dass es in Hellas zwischenzeitlch halbwegs vernünftige Mountainbikes zu leihen gibt, war die Radausrüstung nach anfänglicher Überzeugungsarbeit der anderen Familienmitglieder rasch zwischen Schnorchel und Flossen in die Reisetasche gepackt.

Durch eine kurze Web-Recherche konnte ich schon vorab Adventure Bikes als kompetenten Verleih ausmachen. Die nette, deutschsprachige Besitzerin gibt zum Mountainbike (Scott Scale 26″) auch Routeninformation und Kartenmaterial dazu, was sich in fremden Landen trotz GPS als hilfreich erweisen kann.

Die erste Tour führt mich von Georgioupoli über die alte Straße nach Virses und von dort bergwärts nach Vamos.

Vamos

Vamos

Zur Sicherheit gebe ich jeden Wegpunkt in meinem mit der OpenMTBMap für Kreta gerüsteten Garmin Edge 800 ein, was großteils gut funktioniert. Auf dem nächsten Abschnitt nach Gavalochori und dann weiter nach Plaka muss ich jedoch fest stellen, dass das Routing dazu neigt, mich auf Feldwege zu lenken, die zwar wie auf der Karte vorhanden, in der Praxis aber durchaus einmal – weil privat – abgeriegelt sein können. Ich lerne mich also an asphaltierte Straßen zu halten, auch wenn das Bikerherz ein wenig blutet.

Hinterland von Georgioupoli

Hinterland von Georgioupoli

Während die Gegend bis Vamos nahezu ausschließlich von Olivenhainen geprägt ist, ist Plaka eher das Viertel der Ferienvillen.

Ab Kokino Chorio geht es dann wieder aufwärts durch kleine, romantische Dörfer wie man sich das auf Kreta vorstellt und über den Bergrücken bis man bei Kefalas wieder talwärts zum Ausgangspunkt rollt.

Bucht von Plaka

Bucht von Plaka

Ich bin kurz vor acht Uhr morgens aufgebrochen, ab 9 Uhr legt sich die August-Sonne schon ordentlich hinein. Die gut 40km auf Asphalt mit wenig steilen 900hm gehen aber locker aus den Beinen.

Kefalas

Kefalas

 

Die zweite Tour führt über Asprouliani zum Kourna-See Richtung Arghiroupoli.

Kourna See

Kourna See

Auf der Abzweigung nach Arghiroupoli entschließe ich mich zur Weiterfahrt Richtung Asi Ghonia. Die Strecke führt durch ein Schlucht-artiges Flusstal, in dem ein angenehm kühles Mikroklima einen dichten Wald sprießen läßt. In Asi Gonia, auf etwa 500hm gelegen, wird glücklicher Weise nicht – wie eigentlich zu erwarten – scharf geschossen.

Griechische Schützentafel

Griechische Schützentafel

Der Aufstieg in der gleisenden Morgensonne führt jedoch aus dem schattigen Tal, und man fühlt sich auch ohne Revolverhelden wie in der texanischen Wüste. Eine Variante führt von hier aus noch auf rund 800hm, ich entschließe mich aber zur Umkehr. Nach 2,5km verlasse ich die Hauptstraße und biege auf eine Nebenstraße, die mich hoffentlich nach Arghiroupoli führt. Auf dieser Piste verfehle ich offensichtlich die auf der Karte eingezeichnete Straße und bin nun erstmals ganz alleine auf mein GPS gestellt.

Im Olivenhain

Im Olivenhain

In der nun schon doch etwas abgelegenen Gegend stoße ich auf ein paar in einer Siedlung ansässige freundliche Bauersleute, diese Zeichen der Zivilisation machen mir Hoffnung auf richtigem Kurs zu sein und doch noch rechtzeitig zum Frühstück im Hotel zu kommen.

Leider habe ich mir in einem Moment der Unachtsamkeit mitsamt dem Schweiß auch beide Kontaktlinsen aus den Augen gerieben, was auf ruppigen Feldwegen nicht unbedingt ein Vorteil ist. Gepaart mit leichter Nervosität, ob das GPS-Kartenmaterial denn auch noch aktuell ist, kann ich den nun folgenden Geländeabschnitt nicht wirklich genießen und suche die kürzeste Route auf die Hauptstraße zurück.

Tatsächlich passt die OpenMTBMap genau und ich komme alsbald nach Arghioupoli, wo es angeblich einen Wasserfall geben soll, an dem auch die Trinkflaschen aufgefüllt werden können. Ich finde diesen leider nicht, der letzte viertel Liter Wasser sollte aber für die restlichen bergab-Kilomter reichen und mit ordentlichem Druck auf die Pedale war es nach 50km und 1000hm auch noch zum Frühstück zu schaffen.

Kreta mit dem Mountainbike zu erkunden war eine willkommene Abwechslung zum Strand und gab ein wenig Einblick in das Leben abseits der Touristenorte an der Küste. Landschaftlich überraschte mich das kühle und äußerst grüne Tal Richtung Asi Ghornia. Theoretisch könnte man auch mit dem Rennrad auf Kreta fahren – ein paar tun das auch – allerdings ist der Straßenbelag oft rauh und so tiefe Schlaglöcher findet man bei uns nicht einmal auf Fortstraßen. Sollte man von der geplanten Tour abkommen und der Asphalt enden, dann ist ohne MTB ohnehin kein Fortkommen mehr. Auch ein Navi ist von großem Vorteil, das ausgehändigte Kartenmaterial zeigt bei weitem nicht alle Wege.

Mit ein wenig mehr Geduld – mein Motto war „Back at Breakfast“ – und auch nicht solo unterwegs gäbe es da noch einiges zu erkunden, die Berge reichen auf knapp 2500 Meter. Außerdem ist der August nicht unbedingt der klimatisch beste Zeitpunkt zum Biken auf Kreta.

GPS – Daten der Touren

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Paradise Beach

Paradise Beach