Das grandiose Salzkammergut Trophy Wochenende

Jetzt habe ich es doch tatsächlich geschafft: Ich bin 211KM, gespickt mit 7119HM, mit dem MTB gefahren, ich habe die A-Strecke der Salzkammergut Trophy in 14:49 gefinisht. Ein Renn-Wochenende, wie es fast besser nicht hätte sein können, war das!

Donnerstag, 7. Juli 2016

Nachdem ich gefühlte 1000 mal durchgegangen bin, ob ich den ja kein Ausrüstungsteil vergessen habe, brechen wir nach Bad Ischl auf.

Equipment

Die Basics für die A-Strecke

Das gesamte Team, bestehend aus meiner Frau und den beiden Kids, wird dort traditioneller Weise das Salzkammergut Trophy Headquater beziehen. Der Anreise-Tag verläuft noch entspannt, nach Check-In und Mittagessen verbringen wir den sommerlichen Nachmittag am Wolfgangsee.

Freitag, 8. Juli 2016

Das Programm nimmt nun Fahrt auf: Nach dem Frühstück muss ich zum Bike-Check, der technischen Abnahme des Fahrrads.

prepared

Trophy-HQ Bad Ischl

Danach steht das Einfahren auf dem Plan. Kurz und knackig trete ich auf den Siriuskogel hinauf und fahre anschließend noch ein paar hundert Meter in flottem Tempo der Traun entlang.

Siriuskogel

Blick vom Siriuskogel auf Ischl

Wieder verbringen wir den Nachmittag am See, ich versuche ein wenig zu schlafen und zu entspannen, die Anspannung ist nun jedoch schon deutlich zu spüren.
Dann geht es erstmals nach Bad Goisern. Am Weg dorthin klären wir die Situation am Assistenzpunkt Weißenbach, dem geplanten Betreuungspunkt morgen Mittags, wo mich das Team mit neuer Trinkflasche, Nahrung für den Nachmittag und einem Laugenbrezel versorgen soll.
In Goisern fasse ich die schwarze Startnummer aus, das bis jetzt nur imaginäre Vorhaben nimmt damit reale Gestalt an.

Nowayback

Jetzt geht’s bald los

Wir schauen uns die Dirtbike Show an und zum Essen gibt es – wie könnte es anders sein – Nudeln zwecks Füllen der Kohlenhydratespeicher.

DBShow

Dirt der Locals aus Goisern

KH

Füllen der Energiespeicher

Abends montiere ich die Startnummer, wobei ich besonders auf Lesbarkeit achte, in Goisern feuern die Leute dann mit Namen an. Ich richte mir die Rennpanier griffbereit zum Anziehn, packe die Tasche für das Betreuer-Team und check alles noch mindestens 10 mal durch, damit nichts vergessen bleibt. Vor dem Schalfen gehen gibt es Bier für den Elektrolythaushalt und die Nerven, um zehn stelle ich den Wecker auf 3:30Uhr und schlafe erstaunlich gut ein.

Samstag, 9 Juli 2016 – 3:30Uhr

Das Handy läutet mich unsanft aus dem Schlaf – ich habe noch einenhalb Stunden bis zum Start, also Schlummer für zehn Minuten einschalten und nochmals umdrehen. Nach fünf Minuten wird mir klar, was heute am Programm steht: Jetzt ist keine Zeit zum Trödeln! Anziehn, Kaffee kochen – das Hotel hat mir netter Weise etwas dazu aufs Zimmer gebracht – und Müsli fertigstellen. Ein Blick aus dem Fenster: Die Straßen sind vom Regen noch naß, der Himmel scheint aber schon aufzumachen.
Während dem Frühstück nehme ich ein seltsames trommeln von außen wahr: Es schüttet plötzlich wieder – aber wie! Der Spuck ist aber nach ein paar Minuten vorbei und ich kann beruhigt weiter früchstücken.

4:15Uhr

Adrenalinstoß: Ich muss an den Start, jetzt, sofort und flott! 8,5km sind es von Ischl nach Bad Goisern, was ist, wenn ich dafür länger als geplant brauche? Helm, Brille, Schuhe anziehen, Bike schnappen, nochmals alles durchgehen, damit nichts zurück bleibt, was mir auf den nächsten 211km fehlen könnte und rauß auf die Straße Richtung Goisern.

4:50Uhr

Ich stehe im Starterfeld für die A-Strecke, bin das wirklich ich? Ja! Es ist für einen MTB-Marathon Start ungewöhnlich ruhig, keine aufputschende Musik, kein Countdown, kein einpeitschender Platzsprecher.

Bad Goisern, kurz vor 5:00Uhr

Bad Goisern, kurz vor 5:00Uhr

5:00Uhr

Das Fahrerfeld von 719 Teilnehmern setzt sich in Bewegung, begleitet und angefeuert von zahlreichen Zusehern rollen wir auf der Straße hinaus aus Goisern hinein in die Berge.
Der erste und längste Aufstieg auf den Raschberg ist auf Grund des dichten Feldes relativ langsam, auf dem vom Regen rutschigen Trail-Abschnitt wird geschoben. Ab der Forststraße ist es Zeit, in den Rythmus für die verbleibenden gut 200KM zu finden. Die ersten Stunden vergehen mühelos, ich kenne die Strecke bereits von anderen Distanzen – Tauern, Hütteneckalm, Rodelbahn, Ewige Wand, Laufen, die bekannten Highlights der Trophy.

EWIGEI

Erste Durchfahrt der Ewigen Wand des Morgens

Erstmals neues Terain bringt die Abfahrt nach Alt Aussee und der Ausser Salzberg, doch bald geht es wieder auf bekannten Pfaden weiter – Sandling, Blaa-Alm, Rettenbach und wieder hinauf zur Tauernkreuzung. Nun führt die Strecke in den mir nicht geläufigen Teil. Seit dem Start ziehen immer wieder kurze Regenschauer durch, es ist jedoch nicht kalt und so kann die Regenweste im Trikot bleiben.

AufderStrecke

Am Vormittag noch bei leichtem Regen

Beim Gamsofen schlägt ein vor mir fahrener Biker einen Salto in den Wald, was zeigt, dass man hier nichts riskiern soll.

12:00Uhr

Zum ersten Mal kommt mir auf der Auffahrt von Bad Ischl zur Hütteneckalm der Gedanke, dass die A-Strecke doch ein wenig lang ist. ‚Aber fein, endlich kann ich einen ganzen Tag ungestört mountainbiken!‘, denke ich mir rasch, und schon geht es wieder besser. Außerdem komme ich bald zu meinem Betreuer-Team, ich freue mich schon, die Family zu sehen und auf die Mittags-Laugenbrez’n. Ich bin allerdings etwa 20 Minuten hinter Plan, hoffentlich macht sich das Team keine sorgen.
Vor lauter Freude, nun bei KM 96 zum zweiten mal in die Abfahrt nach Laufen hineinzustechen, gibt es erstmals einen kräftigen Endorphin-Schub. WOW – vollgedröhnt geht es nun talwärts.
Kurz vor der Ewigen stößt das Feld er F-Fahrer dazu, was die Abfahrt zunächst nicht schneller macht. Im unteren Teil kann ich aber vom Begleitmotorrad der F-Strecke profitieren, an das ich mich gleich drann hänge.

EwigeII

Durchfahrt Ewige Wand zu Mittags

In Laufen gibt es nun keinen Stau mehr und ich kann bei meinem inzwischen 9ten Antreten in Bad Goisern endlich auch den Vorsatz wahr machen, die Stiegen nach der Brücke zu fahren. Gehört sich ja auch so, für einen A-Fahrer.

12:48Uhr

Ich erreiche den Assistenzpunkt Weißenbach, wo mir die Kids schon zuwinken und deuten, wo ich zufahren soll. In professioneller Weise haltet das Team das Rad, reicht mir Riegel, Gels und Trinkflasche, putzt Brille und Streckenplan, während ich noch die Schlatung vom ärgsten Dreck befreie mein wohlverdientes Brez’l esse. Nach knapp 7 Minuten geht es für mich weiter Richtung Chorinskyklause und Hochmuth.
Dieser Streckenabschnitt ist insofern motivierend für mich, weil ich laufend Teilnehmer der 37KM Distanz überhole, und das nach gut 110km in den Beinen.

Leider beginnen jetzt auch erstmals die Weh-Wehchen: Meine Knie schmerzen etwas im Bereich der Patellasehne.

In Hochmuth teilt sich die Strecke wieder, A-Fahrer zweigen in den technisch schwierigsten Teil, den Jochwand-Trial ein. Während der oben noch recht flowig zu fahren ist, muss ich in den steilen und felsigen Serpentinen das Bike tragen, was aber hier nun keine Schande mehr ist.
Unten komme ich wieder in Weißenbach raus, wo ich neben der Labe einen Gartenschlauch entdecke: Sehr willkommen, um das Kilogramm dreck vom Rad zu spühlen, bevor es in den letzten großen Anstieg geht.

15:19Uhr

Nach glücklicher Weise teils windschattiger Fahrt rund um den Hallstättersee und nicht ganz 5 Minuten zur Stärkung bei Labe Obertraun, wo ich leichte Muskelkrapmf-Anzeichen mit Salzstein-Lecken in den Griff bekomme – Salzsteine an den Laben gibt es wohl nur in Goisern, steche ich in die 11 Kehren hinauf zum Salzberg. Eigentlich beginnt erst jetzt, nach 150KM, die Trophy.
Wie geplant schaffe ich es, bis fast zum Knappenhaus hin durchzufahren. Hier hilft es, wenn man weiß, das man’s kann, weil man’s schon einmal gemacht hat. Oben in der Schiebepassage sprechen mir die eifrigen Trophy-Fans im Drachen-Kostüm am Rande der Strecke Mut zu – auch das hilft. Nach 45 Minuten geht es endlich wieder Abwärts, wenn auch nur kurz, bis zum Waldbachstrub, wo der Akku meines Garmin seine letzten Ampere aussaugt. Auf die Roßalm hinauf wird mir nun keine Pulsanzeige mehr die Pace vorgeben, einzig das Körpergefühl muss ausreichen.
Dieser etwa 700hm Anstieg hat die feine Eigenschaft, im oberen Teil immer steiler zu werden. ‚Ich nicht!‘, denke ich bei jedem, der dort oben vom Bike steigt und schiebt, so trete ich hinauf bis zum höchsten Punkt der Trophy auf etwa 1500 Meter über dem Meer. Abermals fahren dann die Hormone ordentlich ein, denn jetzt habe ich es im wesentlichen geschafft! Unter dem Einfluss körpereigener Drogen treten sich die paar kupierten Meter bis zur Abfahrt zum Gosausee relativ leicht.

Zum Gosausee hinunter heißt es aufpassen, die langen, steilen Geraden der Forststraße enden immer wieder in spitzen Kehren, rechtzeitig bremsen ist hier Pflicht.

18:06Uhr

Kurz geht es noch abwärts, dann fahre ich in den letzten, mit 450HM nach all dem nicht mehr beängstigenden, Anstieg hinein. Vor zwei Jahren hatte ich an genau dieser Stelle auf der 120KM Strecke den Gedanken, dass noch mehr drinnen ist. Diesmal nicht.Trotzdem komme ich noch gut über den Berg, den letzten relevanten in diesem Rennen. Jetzt geht es fast nur noch bergab.In den wenigen kurzen Abschnitten, die auf den letzten Kilometer noch aufwärts führen, machen sich die vorangegangenen 7000HM bemerkbar. Jede noch so leichte Steigung ist nun ein Berg.

LastDH

Letzter Downhill zum Hallstätter See

Ich kann noch ein wenig den Windschatten einer kleinen Gruppe am Weg nach Bad Goisern nutzen, aber nach einer Schiebepassage über eine kleine Böschung muss ich abreißen lassen.

19:40Uhr

Gemeinsam mit einem weiteren Mitstreiter gehen wir nun die letzten Meter durch den kleinen Waldabschnitt an, einmal noch über die Traun und dann hinein in den Ort. Niemand von uns beiden kann es schon glauben, aber wir haben´s geschafft. Kurz vor 20:00Uhr überqueren wir unter tobenden Applaus die Zielline am Marktplatz.

Done

Im Ziel nach knapp 15 Stunden….

Blackshirt

Endlich meins!

21:00Uhr

Endlich serviert die Kellnerin mein Bier!
Wir sitzen beim Wirten und meine Familie will wissen, wie es war. Aber ich weiß es selbst noch nicht, mein Kopf genauso leer wie mein Körper. Wenn ich nicht das Schwarze T-Shirt anhätte, ich würde es selbst kaum glauben.
Als ich vor 13 Jahren mit dem Mountainbiken begann, war meine Hausrunde gerade einmal 14KM lang, 370HM hatte ich dabei zu bewältigen – und jetzt das!

Sonntag, 10. Juli

Der Sommer zeigt sich wieder von seiner besten Seite und wir verbringen den Vormittag noch am Wolfgangsee, bevor wir die Heimreise antreten: „Auf Wiedersehen, 2017“ denk ich mir noch…

WSee

Badetag in Strobl am Wolfangsee