Das Billa-Bier-Kriterium

Mit dem Rad vom Büro Heim fahren kann man auch zur Herausforderung machen – wenn es um ein Bier geht. Und so funktioniert´s: Der Radcomputer zeigt 17:13Uhr – noch vor Ladenschluss beim Billa daheim ums Eck zu sein ist also noch im Bereich des Möglichen. Dort ist pünktlichst um 19:30 Uhr Sperrstunde. Dazwischen liegen knappe 60km und gute 500hm, ein zahlreiche Ampeln sowie ein paar stark frequentierte Abschnitte entlang des Donaukanals, alles Dinge, die die Brutto-Zeit noch dehnen könnten, ebenso sollte es Gegenwind geben. Aber ich nehme die Herausforderung an.

Billa

Werde ich mein Ziel noch rechtzeitig erreichen?

Bis nach Nussdorf hinaus schlängle ich mich zwischen Radfahrern, Spaziergängern und Hunden hindurch, in diesem Tempo würde sich ein Eintreffen vor dem Abriegeln des Eingangs nicht machen lassen.

Von Klosterneuburg hinauf nach Steinriegel motiviert mich ein etwa 100 Meter vor mir liegender Rennradler aus dem dunklen Viertel, den ich bei der Abzweigung nach Weidlingbach einholen kann. Leider muss ich dem hohen Tempo Tribut zollen und gehe am Ende des Berges ein, der Kollege stellt mich kurz vor der Bergwertung und ich kann mich auch nicht mehr an seinem Hinterrad halten. Keuchend steche ich in die Abfahrt nach Mauerbach. Ein Kontrollblick auf den Radcomputer macht klar, dass das Tempo noch erhöht werden muss, um den Gerstensaft die Kehle hinunter gurgeln zu lassen.

Den kurzen Anstieg nach Gablitz hinüber gehe ich nicht so heiß an, folglich klappt es besser. Jetzt kommt es auf die Grünphasen der Ampeln auf der Abfahrt nach Purkersdorf an.

Ab Purkersdorf geht es leicht steigend hinaus zum Wienerwaldsee, es ist Gott-sei-Dank noch immer windstill. Ich liege gut in der Zeit.

Über den letzten, nicht mehr allzu schweren Anstieg nach Laab im Walde beiße ich nocheinmal ordentlich hinein um kurz danach mit 18:57h die Ortstafel Wien zu passieren – jetzt ist es Gewissheit, das Bier steht, wenn mich auf den letzten Kilometern nicht noch der Pannenteufel holt.

Die Kassiererin wirft mir einen strengen Blick zu, als ich mich mit meinem Rennrad zwischen den Einkaufswägen einreihe, verkneift sich aber doch noch ein Kommentar, was ich als Anerkennung meiner soeben vollbrachten Leistung werte. Ich freue mich auf eine heiße Dusche und ein kühles Blondes.